Leihgaben aus dem Pariser Louvre und dem Geisenhausener Museum

 

Tonkopf-Votive gehören zu den „100 Schätzen“ der aktuellen Landesausstellung 

 

Geisenhausen:   Seit dem 27. September präsentiert sich die Bayerische Landesausstellung unter dem Titel „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburgs nagelneuem Haus der Bayerischen Geschichte. Die Sonderschau erzählt die Geschichte Bayerns in zehn Zeitabschnitten, die von insgesamt 100 Objekten vergegenständlicht werden. Neben Paris, Stockholm und anderen Städten mit großen Museen, die je eines der Exponate beigesteuert haben, ist auch Geisenhausen mit einer Auswahl von 20 Tonköpfen vertreten.

 

Ausgangspunkt ist ein sensationeller Fund von 1984, als ein hiesiger Bauernbub am Eingangsfundament von St. Theobald auf eine große Zahl sonderbar geformter tönerner Köpfe stieß. Die damalige Entdeckung, die 165 ganze und 14 teilweise erhaltene Votivgaben in Gestalt menschlicher Köpfe sowie 19 Füße und 2 Hände aus Ton umfasste, war die bis dahin umfangreichste ihrer Art, bevor in Altenkirchen bei Frontenhausen 2002 ein ähnlich großer Komplex gefunden wurde. Mineralogische Analysen verorten die Entstehung der Votive zwischen dem 15. und 18. Jh., eine Quelle weist Tonköpfe in Geisenhausen in großer Zahl in der 2. Hälfte des 17. Jh. nach. Die Köpfe, die größtenteils aus dem nahen Kröning stammen, sind vorwiegend reduzierend gebrannt, dadurch erhielten sie ihre charakteristische dunkelgraue bis schwarze Färbung. Allerdings gibt es einen porträtähnlich geformten Frauenkopf mit verschiedenfarbigen Glasuren, der deutlich heraussticht. Seine aufwändige Herstellung lässt den Ursprung in Kreisen der Oberschicht vermuten.

Tonkopfvotive wurden fast ausschließlich im südostbayerischen Raum und im Innviertel an Heilige gestiftet, denen spezielle Schutz- und Helferfunktionen angetragen wurden. Der in Geisenhausen verehrte Theobald ist identisch mit dem Hl. Ubaldo Baldassini, der im 12. Jh. in Umbrien lebte und laut Überlieferung selbst an starkem Rheuma litt. Einem zu Beginn des 18. Jh. gedruckten Wallfahrtsbüchlein zufolge war der heilige Theobald unter anderem zuständig für Podagra (Gicht), Sehen, Hören sowie Kopfleiden aller Art.

Als Dank für erlangte Hilfe brachten die Wallfahrer die tönernen Köpfe und Gliedmaßen zur Kirche auf dem Löberberg. Die meisten Köpfe wurden auf der Töpferscheibe gedreht und oben nach innen gewölbt, bis die geschlossene Kopfform entstand. Die grauschwarze Färbung und die sparsame, meist primitive Ausgestaltung der Gesichtszüge lässt die Votive recht archaisch wirken, nur wenige Exemplare sind glasiert.

Die Entstehung der Wallfahrt zu St. Theobald auf dem Löberberg wird um 1400 vermutet. Die aus dem 15. Jh. stammenden graffitiartigen Rötelzeichnungen in der um 1450 erweiterten Kirche deuten auf rege Wallfahrtsaktivitäten hin. Ihren ersten Höhepunkt dürfte die Wallfahrt zum Hl. Theobald in Geisenhausen im 15. und 16.Jh. erreicht haben. Nach einem Rückgang im 30-jährigen Krieg ging es ab Mitte des 17. Jh. wieder aufwärts. In einer Beschreibung von 1654 heißt es, dass "tausent und mehr Hilzerne, Erdene und Wexerne Khöpf, Hend und Füeß, so von den Patienten und Wallfahrtern ... herzuegebracht worden". Pfarrer F. J. Kastner, der die Kirche um 1712 barockisieren und 1730 ein Wallfahrtsbüchlein drucken ließ, sprach von 89 Heilungen in den vergangenen 30 Jahren. Die aufklärerischen Reformen des späten 18. Jh. und die Säkularisation beendeten vermutlich das Tonvotiv-Brauchtum und brachten die Wallfahrt zum Erliegen.  In dieser Zeit dürften die Tonkopfvotive aus der Kirche entfernt worden sein, zumal die Aufklärung solche Bekundungen der Frömmigkeit massiv bekämpfte. Auf wessen Anweisung hin sie anschließend in der Erde am Kirchenfundament deponiert wunden, bleibt rätselhaft.

Während die Dauerausstellung des erst im Juni eröffneten Hauses der Bayerischen Geschichte lediglich die Zeit von 1800 bis in die Gegenwart umfasst, zeigt die Sonderausstellung die Zeit zwischen dem 6. und frühen 19. Jahrhundert. Sie fügt sich somit ideal als Ergänzung in das Gesamtkonzept des Hauses - allerdings nur bis zum 8. März 2020, dem Ende der Landesausstellung.

Die Geschichte von den Bajuwaren bis Napoleon wird in zehn Zeitabschnitten erzählt. Jeder dieser Abschnitte wird in der Ausstellung eingeleitet von einem "Gesicht der Zeit", einer virtuellen Figur, die von ihren Lebensumständen erzählt. Dazu gehören eine Bajuwarin, ein Tempelritter, eine jüdische Ärztin und ein Nachtwächter, der sich als 3-D-Modell durch das mittelalterliche Neumarkt begleiten lässt. Alle Exponate lassen sich interaktiv betrachten und in ihrem jeweiligen zeitlichen Kontext erkunden. Die Objekte beleuchten nicht nur die politische Entwicklung, sondern auch den Alltag von tausend Jahren bayerischer Geschichte. Eine Handschrift des Lex Baioariorum wird ebenso gezeigt wie der Dietrich eines Einbrechers aus dem 16. Jh., der Lederstiefel einer Moorleiche neben der Brautkrone der Landshuter Herzogin Hedwig, die Weste des "bayerischen Hiasl" und eine Handschrift des Nibelungenlieds. Mittendrin, aufwändig arrangiert und beleuchtet, die Tonköpfe aus Geisenhausen.

Die Ausstellung "100 Schätze aus 1000 Jahren" ist täglich außer Montag von 9 bis 18.00 Uhr im Haus der Bayerischen Geschichte, Donaumarkt 1, Regensburg zu sehen. (Der Historischen Verein Geisenhausen wird voraussichtlich im November eine Fahrt zur Ausstellung anbieten. Genaueres wird noch bekanntgegeben.)

Peter Brenninger

Wo Muslime und Christen in einer Familie zusammenleben

Pater Altus Jebada berichtet über eine Reise zu seiner indonesischen Heimatinsel Flores

Artikel von Peter Brenninger aus der Vilsbiburger Zeitung

 

Geisenhausen:   Der Historische Verein hatte den Hausherrn Pater Altus quasi in seinen eigenen Pfarrsaal geladen, um etwas über das Land zu erfahren, aus dem er kommt und in dem er sich in diesem Sommer aufhielt. Anlass war die Primiz seines Bruders Faris Jebada OSB im Juli. Der mit gut 150 Zuhörern bis zum letzten Platz gefüllte Pfarrsaal und die vielen Zwischenfragen waren ein Beleg für das große Interesse an der Herkunft des jungen Ortsgeistlichen wie auch für die Sympathie, die ihm von den Geisenhausenern entgegengebracht wird.

Mit einschlägigen Vergleichszahlen, ausgewählten Bildern und Videoausschnitten gelang es dem Referenten schnell, die Zuhörer in eine fremde, mitunter sehr exotische Welt zu entführen. Mit einer Gesamtfläche von 1,9 Mio. km² (Deutschland: 350.000 km²) und 265 Mio. Einwohnern spielt der weltgrößte Inselstaat Indonesien (17.500 Inseln) - zumindest was Ausdehnung und Menschen betrifft - in einer anderen Liga als Deutschland. Die etwa 360 Volksgruppen sprechen 250 gänzlich verschiedene Sprachen (nicht Dialekte), weshalb man die Kunstsprache Bahasa Indonesia mit einfachster Grammatik einführte. 1949 wurde Indonesien von den niederländischen Kolonialherren, an die man offensichtlich keine guten Erinnerungen hat, unabhängig. Die Insel Flores, auf der Pater Altus' Familie lebt, erhielt ihren Namen (Blumeninsel) von den Portugiesen, die bereits vor den Holländern da waren. Die Insel, die mit Bali und Lombok zu den Kleinen Sunda-Inseln östlich der Hauptinsel Java gehört, bildet mit einem Anteil von 91% katholischen Christen eine Ausnahme innerhalb Indonesiens, der mit 87% größten islamischen Nation der Welt, in der Christen (10%, kath. 3%), Hindus und Buddhisten eine eher untergeordnete Rolle spielen.  

Die Menschen auf Flores leben hauptsächlich von landwirtschaftlichen Produkten wie Reis, Kaffee, Kakao und Zuckerrohr und vom Fremdenverkehr. Einer der touristischen Schwerpunkte ist ein Ensemble von drei durch hohe Wände getrennten Vulkankraterseen ("Kelimutu"), die ihre verschiedenen, auffällig leuchtenden Farben in unregelmäßigen Abständen ändern. Bei Reisenden beliebt sind auch die nicht ganz ungefährlichen Komodo-Warane, Riesenechsen, die an der Westküste leben.

In den Dörfern auf Flores, wie sie Pater Altus aus seiner Kindheit kennt, sind die Häuser um den Friedhof angeordnet. Die von den Naturreligionen herrührende Überzeugung von der Beseeltheit der Dinge lässt die Menschen glauben, dass die Seelen ihrer Toten weiter unter den Lebenden weilen. Dieser Glaube habe es dem Christentum, das mit dem Tod eine Trennung der Seele vom Körper verbindet, so schwer gemacht, in seiner Heimat Fuß zu fassen, sagt Pater Altus. So praktiziere man in  vielen Regionen in Indonesien eine Mischung aus Naturreligion und traditionell muslimischen bzw. christlichen Glaubensvorstellungen. Besonders die religiösen Bräuche und Riten hätten sich einander stark angenähert, da aufgrund kultureller, religiöser und sprachlicher Unterschiede die Notwendigkeit gegenseitiger Akzeptanz bestand. Die meisten Indonesier sind deshalb mit mehr als einer Religion vertraut. Das könne man auch an seiner eigenen Familie nachvollziehen, die sich aus einem muslimischen und einem christliche Teil zusammensetze. So wurde die katholische Primiz auch von der muslimischen Verwandtschaft mitgefeiert; ein solches Ereignis ziehe sich über mehrere Tage hin, so dass genügend Zeit für die Feier in verschiedenen religiösen Riten bleibe.

Wie die Bilder und Video-Ausschnitte zeigten, ist ein kirchliches Fest auf Flores kaum vergleichbar mit dem weitgehend auf die Liturgie konzentrierten Ablauf hierzulande. Da Gesang und Tanz auf Flores untrennbar miteinander verbunden sind, nimmt das Tanzen auch bei kirchlichen Anlässen einen breiten Raum ein und macht eine Primizfeier zu einem Fest der Lebensfreude.

Dass es auf Flores vergleichsweise viele Theologiestudenten und Priesterweihen gibt, hängt nach Pater Altus damit zusammen, dass in Indonesien der Zugang zur Bildung immer noch sehr teuer ist. Seine Familie habe sich das Studium von drei Söhnen nur leisten können, weil sein Studium und das seines Bruders Faris von katholischen Ordensgemeinschaften finanziert wurde. Ein weiterer Bruder konnte nur aufgrund von Begabtenstipendien Medizin studieren.

Als Angehöriger der Steyler Missionare, erzählt Pater Altus, habe er sich für die weltweite Missionsarbeit entschieden. Wer aber als Priester auf Flores bleibe, bringe es schnell zu Wohlstand, da jede sakrale Handlung teuer zu bezahlen sei. Auch gebe es keine Kirchenverwaltung, die diesem Trend zur Selbstbereicherung Grenzen setzt.

Auf die Frage, ob die Umstellung auf die europäische Lebensweise eine große Herausforderung für ihn gewesen sei, gesteht Pater Altus, dass ihm der Wechsel vom zuhause gewohnten Reis mit getrocknetem Fisch zur europäischen und speziell bayerischen Küche sehr schwer gefallen sei. Mittlerweile sei es umgekehrt: Auf Flores habe er sich oft nach einer Butterbreze gesehnt.

 

 

Berichte über Geisenhausen

zusammengestellt von Peter Käser

 

Peter Käser: Die Restaurierung der Kirche Mariä Himmelfahrt in Feldkirchen
Die Restaurierung der Kirche Mariä Himme[...]
PDF-Dokument [4.6 MB]
Michael Graßl: Monographie über die Weiler und Kirchen Feldkirchen, Theobald und Stephansbergham
in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern, Nr. IV, Heft 1, Landshut 1855, S. 75-82.
Monographie M. Graßl 1855.pdf
PDF-Dokument [5.6 MB]

 

Vgl. diese Datei im Digitalen Dokumentenarchiv bavarikon.de: https://bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB10379959

 

bavarikon ist das Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern. Beteiligt sind Archive, Bibliotheken und Museen sowie Institutionen der Landesverwaltung, der Denkmalpflege und aus der Wissenschaft. bavarikon ermöglicht einen weltweiten und kostenlosen Zugang zu einem breiten Spektrum von Kulturgütern wie Urkunden und Archivalien, Handschriften, archäologischen Funden, Gemälden, Grafiken und Fotografien, Stadtplänen und Landkarten, Skulpturen, Zahlungsmitteln, Burgen und Schlössern sowie Volkskultur und vielem mehr.

 

Das Schrannenkirchlein.pdf
PDF-Dokument [2.1 MB]
Der Pfarrer von Geisenhausen.pdf
PDF-Dokument [851.1 KB]
Die Grafen von Geisenhausen.pdf
PDF-Dokument [5.5 MB]
Geisenhausener Fimbachklause.pdf
PDF-Dokument [4.8 MB]
Hörlkam.pdf
PDF-Dokument [775.0 KB]

 Impressionen von der Sonderausstellung Geisenhausen und das Leder 

Juni 2018 bis September 2019

 

aus der Vilsbiburger Zeitung:

Sonderausstellung "Leder" geht zu Ende

Geisenhausener Museum bietet am 1. September letzte Möglichkeit zur Besichtigung

Alle, die sich immer schon vorgenommen hatten, die Ausstellung "Geisenhausen und das Leder" zu besichtigen, aber  nie die Zeit dafür erübrigen konnten,  haben am ersten September-Sonntag die letzte Gelegenheit dazu. Nach 14 Monaten Ausstellungsdauer und weit mehr als tausend Besuchern wird die Sonderschau nun endgültig abgebaut, um neuen Projekten Platz zu machen. Der Historische Verein zieht eine äußerst positive Bilanz, zumal die Präsentation nicht nur lokales Publikum anzog, sondern auch überregionales Interesse fand.

Da die Lederherstellung und -verarbeitung das Leben in Geisenhausen hundert Jahre lang sowohl wirtschaftlich als auch sozial außergewöhnlich prägte, war das Interesse der Geisenhausener Besucher naturgemäß besonders groß. Es gibt nur wenige Familien im Ort, die nicht direkt oder indirekt etwas mit den beiden Betrieben Dräxlmeier und Zeiler zu tun hatten, die nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Förderer des Sports und anderer Lebensbereiche in Erscheinung traten. Dass die örtlichen Fußballer von den Auswärtigen "die Lederstädter" genannt wurden, ist ein beredtes Zeugnis für die Identifikation des Ortes mit dem Werkstoff Leder.

Wie weit die Ledertradition in die Geschichte Geisenhausens zurückreicht, was die Schinder mit Leder zu tun hatten und welche ökologischen und sozialen Auswirkungen der ungebremste  weltweite Lederkonsum heute mit sich bringt, erfährt man unter vielem anderen in der Ausstellung.  

Anfang Oktober werden die Museumsräume bereits für die Folge-Ausstellung benötigt, in der es um das 250-jährige Bestehen des Alten Rathauses geht, also jenes Gebäudes, in dem das Museum heute untergebracht ist. Zeitig im Frühjahr 2020 folgt eine Darstellung zu Leben und Werk des in der Nachkriegszeit zu weltweitem Ruhm gelangten Schriftstellers Günter Eich, der 10 Jahre in Geisenhausen lebte.

Die Sonderausstellung "Geisenhausen und das Leder" öffnet am Sonntag, 1. September, von 15.00 bis 17.00 Uhr zum letzten Mal ihre Pforten.

 

Peter Brenninger

Zeitungsbericht von Peter Brenninger über die Mehrtagesfahrt nach Erfurt

 

Auf Luthers und Bachs Spuren

Historischer Verein auf Thüringen-Erkundung

Geisenhausen:  Die Organisatoren Franziska und Martin Irl  hatten sich für die viertägige Tour durch Thüringen ein umfangreiches Programm mit markanten Schwerpunkten ausgedacht, das die Teilnehmer immer wieder auf den Reformator und auf den Barockmusiker stoßen ließ. Die Unterkunft in der Landeshauptstadt Erfurt wurde Ausgangspunkt für die Erkundung bedeutsamer Städte wie Altenburg, Jena, Gotha und Schmalkalden. Den Reisenden fiel auf, dass die besuchten Orte sehr sauber und aufgeräumt wirken; das Image der Vor-Wende-Zeit haben sie endgültig hinter sich gelassen.

Arnstadt, die erste Reisestation, 20 km südlich von Erfurt gelegen, ist eine von fünf Thüringer Bach-Städten. Der 18-jährige Johann Sebastian Bach hatte von 1703 bis 1707 seine erste Anstellung als Organist in der 704 erstmals erwähnten Stadt, die diese Personalie mit Stolz präsentiert. Weniger erfreut ist man über den anhaltenden Wegzug junger Menschen in die Großstädte oder in den Westen. Obwohl die Technologie-Region Ilmenau/Arnstadt die stärkste wirtschaftliche Entwicklung aller thüringischen Landkreise aufweist, gibt es selbst hier seit der Wende einen beträchtlichen Rückgang in der Zahl der Einwohner, begleitet von Wohnungsleerstand und Überalterung.

Für das Kennenlernen Erfurts standen der ganze zweite Reisetag (mit Stadtführungen) und die Abende zur Verfügung. Das mit zahllosen Beinamen wie "Stadt der Renaissance und Gotik", "Rom Thüringens", "Pfaffennest", "Stadt der Kirchen und Mühlen" versehene Erfurt ist eine der wenigen Großstädte in Deutschland, die ihr historisches Erscheinungsbild im Zentrum größtenteils erhalten konnten. Den Teilnehmern bot sich ein weites Feld von Besichtigungstouren von der Krämerbrücke über den Fischmarkt zum Rathaus, zum Dom und zum Augustinerkloster, in das Luther 1505 eintrat, sowie zur Michaelikirche, in der er gegen die Bilderstürmer wetterte. Ein außergewöhnlicher Musikgenuss erwartete die Reisegruppe bei einem Orgelkonzert in der Predigerkirche. Nebenbei wurden einem vom Stadtführer der Begriff Fisimatenten und zahllose andere Redensarten erläutert und eine Sarabande vorgetanzt.

Der dritte Reisetag bot ein Kontrastprogramm, was die Einwohnerentwicklung in Thüringen betrifft: Die ganz an der Grenze zu Sachsen liegende einstige Staufer-Residenz und weltberühmte "Skat-Stadt" Altenburg, ausgestattet mit einem vorbildlich restaurierten Zentrum aus Renaissance und Barock sowie einem herzoglichen Schloss, verlor nach der Wende mehr als 40 Prozent ihrer Bewohner, in aller Regel aus der jüngeren Generation.

Hingegen verzeichnet Jena, das sich von einer Industriestadt zu einem Wissenschaftszentrum gewandelt hat, nach einem kurzen Einbruch nach der Wende wieder deutliche Einwohnerzuwächse, vor allem von Studenten und jungen Familien. Beeindruckend ist der Jenaer Marktplatz, der trotz der im Krieg weitgehend zerstörten Altstadt (Bombardement von Zeiss-Optik als "Auge der Wehrmacht") erhalten blieb. Das heutige Nebeneinander von alten und ganz neuen Fassaden fand nicht die ungeteilte Zustimmung der Geisenhausener Gäste. In der Mitte steht die Bronzestatue von Johann Friedrich I., der 1558 die Universität gründete. Ohne seine Visionen wäre Jena nach Ansicht der Stadtführerin bedeutungslos geblieben, zumindest hätte man es nicht zum geistigen Zentrum der deutschen Klassik und Romantik gebracht.

Schloss Friedenstein in Gotha, Stammsitz derer von Sachsen-Coburg und Gotha, war das erste Ziel am letzten Reisetag. Die riesige frühbarocke Anlage beherbergt Thüringens größten Superlativ: das älteste original erhaltene Barocktheater der Welt.

Den Abschluss der Thüringen-Tour bildete ein Abstecher nach Schmalkalden am südwestlichen Rand des Thüringer Waldes. Da 90 Prozent der mittelalterlichen Fachwerkhäuser erhalten wurden, ergibt sich ein äußerst sehenswertes Stadtbild. Schließlich zogen die Stadtführer die Wanderung in ihrem Enthusiasmus so sehr in die Länge, dass der Busfahrer in arge Zeitnot kam. Was der allgemein guten Stimmung an Bord keinen Abbruch tat.  Aus:

 

Aus: Vilsbiburger Zeitung vom August 2019 / Foto: Progl

 

Jahreshauptversammlung mit Diavortrag von Meinrad Schroll

über Verlauf und Geschichte der Salzstraße von Reichenhall über Neuötting nach Landshut

"Wünsch dir ein Gedicht" - Lyrikabend mit Franz Josef Scheidhammer

Tausendste Besucherin

in der Sonderausstellung

 

 

Geisenhausen:  Die seit Juni 2018 im örtlichen Museum laufende Sonderausstellung "Geisenhausen und das Leder" kann sich über mangelndes Besucher-Interesse nicht beklagen. Als sich am 20. Dezember die Klasse 9a der Mittelschule Geisenhausen im Museum einfand, wusste Sebastian Schuder, 1. Vors. des Historischen Vereins, schon, dass jemand aus der Klasse die 1.000er-Marke überschreiten würde. Mit der Schülerin Selina Meiszie konnte er die tausendste Besucherin der Sonderausstellung begrüßen und überreichte  ihr ein kleines Präsent mitsamt einem Exemplar der Fahrmeir-Chronik, mit der sie ihr Wissen über die Geschichte Geisenhausens vervollständigen kann.

Die Ausstellung ist an jedem ersten Sonntag im Monat von 15.00 bis 17.00 Uhr zu besichtigen.  Außerhalb dieser festen Zeiten übernimmt das Museum auch Gruppenführungen zu individuellen Terminen. Führungen können unter Tel. 08743-2141 vereinbart werden. 

 

Text von Peter Brenninger aus der Vilsbiburger Zeitung vom 23.12.2018

Bilder von der Präsentation der Broschüre "Endlich vorbei!" von Franz Xaver Wagner

 

Bilder vom Bezug und von der Einrichtung der Ausstellung sowie
von der Eröffnungsfeier des Geisenhausener Museums am 20. April 2016

 

 

 

Dem Mythos Bayern auf der Spur

Historischer Verein besuchte Bayerische Landesausstellung in Ettal

 


Geisenhausen. Erwartungsgemäß stieß die Einladung zur Besichtigung der Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern“ bei den Mitgliedern und Freunden des Historischen Vereins auf großes Interesse. So konnte Vorsitzender Sebastian Schuder am Samstag auf dem Weg nach Ettal 45 Mitfahrer willkommen heißen. Franziska Irl hatte den Tagesablauf bestens vorbereitet und so wurden die Teilnehmer nach Ankunft bereits zur Führung durch die Ausstellung erwartet.
Das 100 jährige Jubiläum „Freistaat Bayern“ war Anlass zu dieser Ausstellung und soll die Sonderrolle der Region als Naturparadies, Tourismusmagnet, Wirtschaftsmacht sowie Kultur- und Bildungsland widerspiegeln.

Da Bayern zu 1/3 vom Wald bedeckt ist, beschäftigte sich die Ausstellung eingangs mit der Forstwirtschaft früherer Tage. Legendäre Holztransporte aus dem Hochwald mit Schlitten oder die Trift über reißende Gewässer führten immer wieder zu schweren Unfällen. Auch das Wild und die herrschaftliche Jagd hatten ihren berechtigten Platz in der Ausstellung. Für die großen Jagdgesellschaften wurde von der Obrigkeit ein hoher Wildbestand angeordnet, der jedoch zu großem Verbiss auf den Äckern führte. Die Wilderei war in dieser Zeit fast lebensnotwendig, um die eigene Nahrung zu sichern. Der aufkommende Tourismus brachte endlich zusätzliches Einkommen in die  ärmlichen Gegenden. So wurden zur Sommerfrische ganze Sonderzüge aus dem „hohen Norden“ erwartet. Inzwischen war die Tracht aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das traumhafte Bayern wurde auch von den Malern entdeckt, denn die Bilder ließen sich gut verkaufen und schmückten manche gute Stube - nicht nur im Freistaat.
Die mündlichen Erklärungen des engagierten Ausstellungspersonals wurden durch Schautafeln, Fotografien und  historische Gegenstände optimal ergänzt. Der letzte Teil der Führung gilt dem Lebenswerk von König Ludwig II. Dazu wurde für die Ausstellung ein sehenswerter Holzpavillon geschaffen, in dessen Innern eine Computeranimation die Besucher in die Phantasiewelt König Ludwig II. eintauchen lässt.
Da für den Mittagstisch im Klosterstüberl bereits eine Vorbestellung der Essen vorlag, reduzierte sich der Aufenthalt dort auf gut eine Stunde und so konnte die Gruppe zu einem weiteren Ausflugshöhepunkt aufbrechen: der Besichtigung des Schlosses Linderhof. Nach Fertigstellung des Hauptgebäudes bewohnte König Ludwig II. selbst noch die Gemächer, denn die anderen Traumschlösser waren allesamt noch in Bau. Der Märchenkönig widmete Schloss Linderhof ganz dem französischen Hof, denn er vergötterte den Sonnenkönig Louis XIV. So sind in den Prunkräumen immer wieder Gemälde aus Versailles zu sehen.

Als es um 17 Uhr auf die Heimfahrt ging, war eine nachdenkliche Stille im Bus, denn die Eindrücke der beiden Führungen hatten ihre Wirkung nicht verfehlt.

 

 

 

Von der Hexeneiche bis zur Helmsauer Marie

Pfarrer Schober referiert über Sagen im Umkreis / Neuwahl des HV-Vorstands

Geisenhausen:        

Zur Jahresversammlung hatte der Historische Verein mit Pfarrer Johann Schober einen bewährten Referenten geladen, der im gut gefüllten Pfarrsaal sein reiches Wissen über das Wesen der Sagen allgemein und im Besonderen über die Sagen im Gebiet um Geisenhausen weitergab. Virtuos musikalisch umrahmt wurde sein Vortrag vom Klarinettenduo Elisabeth Schuder und Anne-Doreen Scholz. Vorausgegangen waren die Berichte über das Vereinsjahr und die Wahl eines neuen Vorstands.

Einleitend ließ Pfarrer Schober die Zuhörer wissen, warum ihn die Faszination von Sagen schon sein ganzes Leben begleite. Sein Elternhaus in Arth bei Landshut stand neben der Kirche, angeblich genau an jener Stelle, an der sich ehedem ein Raubrittersitz befunden hatte. All die Geschichten, die sich darum rankten, hätten ihn nicht mehr losgelassen und so habe er am Sammeln von Sagen und am Erforschen der Heimatgeschichte Gefallen gefunden. Sagen bezeichnet er als Spiegel der Volksseele, in immer wiederkehrenden Motiven reflektieren sie religiöses Denken ebenso wie die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen von früher. Er sieht auch Parallelen zum heutigen Krimi, war doch die Hauptintention eine schaurige Geschichte zu erzählen, die oft auch mit einer Warnung oder moralischen Belehrung verbunden war.

Schober kategorisiert die Volkssagen in "miracula", die von wundersamen irrealen Geschehnissen handeln, "mirabilia", deren Handlung erklärbar ist, und "exempla", also Beispielgeschichten, die einen davor warnen sollen, dieselben Fehler oder Sünden zu begehen. Zu ihnen zählen all jene Geschichten über Menschen, die wegen unmoralischen oder sündhaften Tuns bestraft werden oder als Untote auf ihre Erlösung warten. Da ist etwa jener geizige Waldbesitzer, der den Armen kein Reisig gönnt; bei einem Sturm wird er von einem seiner Bäume erschlagen und findet im Tod keine Ruhe. Erst auf die erlösende Frage eines Lebenden vermacht er das Frauenholz der Pfarrstiftung in Feldkirchen und seine arme Seele findet Frieden. Ebenfalls in Feldkirchen spielt die Geschichte vom sterbenden Dieb, der einst den Tabernakel aufgebrochen und geweihte Hostien am Boden verstreut hat. Weil sich nun ebenjener Tabernakel nicht öffnen lässt, bleiben ihm die Sterbesakramente versagt. Auch in der Geschichte vom feurigen Mann, der einem Fuhrknecht nachts zwischen Geisenhausen und Holzhausen voranschreitet und ihm den Weg erleuchtet, geht es um eine ruhelose Seele. Erst als der Fuhrman sich mit "Vergelt's Gott" bedankt, ist die Erscheinung für immer verschwunden.

In vielen Sagen aus der Region um Geisenhausen findet der Standort von Gebäuden und Denkmälern eine Erklärung. So geht die Entstehung des Wallfahrtskirchleins von Schrannen der Sage nach auf eine dort befindliche Richtstätte der Grafen von Neufraunhofen zurück. Die Gräfin ließ neben dem Galgen zum Trost für die Delinquenten eine Statue der Mater Dolorosa errichten, die später durch die Kirche ersetzt wurde. In Helmsdorf decken sich historische Realität und Sage insofern, als die Kirche tatsächlich von Kaiser Heinrich II. im Jahr 1011 gestiftet wurde. Der Sage nach geschah dies zum Dank für die gute Bewirtung in einem Gasthaus, in dem er auf der Durchreise weilte.  

Interessant findet Schober auch die wissenschaftliche Deutung der Erdmännlein-Sage von Stephansbergham. Die kleinen Wesen, die in der Kirche putzen und Messe feiern, repräsentieren nach Ansicht eines Volkskundlers die Urbevölkerung bzw. die Restromanen. Sie mussten unter den neuen Landesherren (Bajuwaren, Agilolfinger) als Dienstleute arbeiten. In der Kirche von Stephansbergham fanden sie ein Refugium zur Weiterexistenz; gesehen werden können sie der Sage nach aber nur von Sonntagskindern.

Schober erzählte auch von Irrlichtern am Galgenbichl, der Hexeneiche bei Adermühle, dem feurigen Schimmel von Aukam und wusste zum Abschluss Wissenswertes von der schon lange verstorbenen Wahrsagerin Helmsauer Marie zu berichten, die offensichtlich sowohl die Fähigkeit des Hellsehens als auch der Präkognition (Vorauswissen) in sich vereinte. Dass vieles von dem, was sie voraussagte, eintraf, sei verbürgt. So soll sie das Kriegsende mit dem Satz "45 macht da Ami am 1. Mai d'Tür auf" schon lange vorher angekündigt haben, und auf die Frage, ob der Krieg verloren gehe, kam die Antwort "Moanst, dass d' Haderlumpn an Kriag gwinnan?" Es dauerte nicht lange und die Polizei stand vor ihrer Tür.

Im ersten Teil der Veranstaltung hatte es Neuwahlen gegeben, umrahmt von den Berichten des Schriftführers, der Schatzmeisterin und des Kassenprüfers Dr. Josef Weindl, der eine wohlgeordnete Kassenführung attestierte und die Entlastung des Vorstands vorschlug. Bei den Neuwahlen wurden 1. Vorsitzender Sebastian Schuder, 2. Vorsitzender Peter Neumaier, Schatzmeisterin Franziska Irl und Schriftführer Peter Brenninger ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Die ausscheidenden Beisitzer Karl-Heinz Kisling, Josef Seisenberger und Rudolf Straub wurden ersetzt durch die jeweils einstimmige Wahl von Stephan Hager, Marianne Müller und Helmut Ramsauer. Ludwig Kargl und Franz Kloss wurden ohne Gegenstimmen in ihrem Beisitzer-Amt bestätigt.

 

Peter Brenninger

 

(Quelle: Vilsbiburger Zeitung) 

 

 

 

 

Aus der Vilsbiburger Zeitung:

 

Das "Gedächtnis Niederbayerns" von innen betrachtet

Historischer Verein Geisenhausen besichtigt das neue Staatsarchiv Landshut

Dass der Besuch des Historischen Vereins im niederbayerischen Staatsarchiv auf den Internationalen Tag der Handschrift (23. Jan.) fiel, dürfte reiner Zufall sein. Dennoch sind Zusammenhänge nicht zu übersehen, zumal die Beschäftigung mit historischen Handschriften zum grundlegenden Handwerkszeug der 12 Mitarbeiter im Staatsarchiv gehört.  Sie befassen sich aber nicht allein mit dem Sammeln und Aufbewahren von Urkunden und Akten, sondern auch mit deren Bestandserhaltung und dem Nutzbar-machen für Institutionen und Privatpersonen. Zunehmende Bedeutung erhalten im Rahmen der digitalen Aktenführung auch Fragen der dauerhaften Speicherung und der Online-Zugänglichmachung.

Wie die knapp 40 Besucher im einführenden Vortrag von Dr. Andreas Schmidt erfuhren, umfassen die Bestände des Archivs ca. 2,7 Millionen Archivalien-Einheiten - das entspricht mehr als einer Regallänge von 18 Kilometern. Darunter sind 11.300 Urkunden, über 2,5 Millionen Amtsbücher und Akten sowie 10.000 Karten und Pläne. Dass dafür die Kapazitäten am ehemaligen Standort auf der Burg Trausnitz (seit 1809) nicht mehr ausreichten, erkannte man schon 1991, als mit den Planungen für ein neues Gebäude begonnen wurde, die aber den Sparplänen der Regierung Stoiber zuwiderliefen. So dauerte es bis zum 15. Juli 2016, bis man in das neue Gebäude an der Ecke Schlachthof- / Stethaimerstraße einziehen konnte.

Als historischer Sprengel sind dem Archiv die zwischen 1507 und 1729 im Herzogtum bzw. Kurfürstentum Bayern bestehenden Rentmeisterämter Landshut und Straubing zugewiesen. Der 1837 geschaffene Regierungsbezirk Niederbayern, geändert durch die Gebietsreform von 1972, bildet das heutige Einzugsgebiet. Für die ehemaligen Reichsstände Hochstift Passau und Grafschaft Ortenburg sowie für Klöster und Stifte ist aber das Hauptstaatsarchiv in München zuständig.

Das Archiv - nicht zu verwechseln mit dem Landshuter Stadtarchiv - dient heute der Verwaltung (Archivierung von Steuer- und Gerichtsakten etc.), der Wissenschaft und Rechtspflege wie auch allen Privatpersonen, die sich mit Heimat- und Familienforschung befassen. Nicht zuständig ist das Staatsarchiv aber für Kommunen, Firmen und Kirchen, die in der Regel ihre eigenen Archive unterhalten, ebenso wenig für Nachlässe von Privatpersonen. Hauptlieferanten des Aktennachschubs sind Behörden, Gerichte und Körperschaften aus dem Regierungsbezirk.

Am Beispiel der historischen Hexenprozesse demonstrierte Dr. Schmidt, wie wichtig auch vermeintlich nebensächliche Dokumente für die historische Forschung sein können. Obwohl kaum noch Prozessunterlagen existieren, geben die noch vorhandenen Rechnungen von Gerichtsdienern, Scharfrichtern etc. detaillierte Einsicht in die damaligen Vorgänge. Sehr anschaulich sind auch die vielen Karten und Pläne, die früher häufig im Rahmen von Gerichtsprozessen angefertigt wurden und noch heute eingesehen werden können.   

Der sich anschließende Rundgang durch die Räume des Archivs verschaffte den Besuchern einen hautnahen Einblick in die Größe und Arbeitsweise der Institution. Das Archiv steht jedermann wochentags von 8.00 bis 16.00 Uhr offen. Voraussetzung ist ein konkretes Anliegen und, sofern es sich um ältere Urkunden handelt, eine gewisse Übung im Lesen alter Handschriften. Den Benützern stehen auch ein Kopiergerät, ein Buchscanner und ein Readerprinter zur Verfügung. Mit wenigen Ausnahmen darf man die Dokumente auch fotografieren. Die erste Station ist für den Besucher das Repertorienzimmer, in dem man mit Hilfe der hausinternen Systematik schnell an das gewünschte Dokument kommen kann.

Große Bedeutung hat in der Archivarbeit auch die Bestandserhaltung. Dabei spielt die richtige Lagerung eine entscheidende Rolle. Nach dem verheerenden Brand auf der Burg Trausnitz 1961, bei dem 4.000 Bände unwiederbringlich vernichtet wurden, konnte die Mehrzahl der Dokumente gerettet werden, da geschlossene Bücher nur an den Rändern vom Feuer angegriffen werden, das Geschriebene also weitgehend erhalten bleibt. Im Gegensatz zu modernen Industriepapieren, die nach wenigen Jahrzehnten versäuern und zu zerfallen beginnen, sind alte Papiere, vor allem aus Textillumpen hergestellte Blätter, von höchster Qualität und bei adäquater Lagerung resistent gegen Verfall.

Eine schlechte Prognose, was die dauerhafte Speicherung betrifft, stellten die Archiv-Mitarbeiter der elektronischen Aktenführung aus. Während Informatiker bei digitalen Speichermedien eine Haltbarkeit von 20 Jahren schon begeistert, müssen Archivare in Jahrhunderten rechnen. Für die Geisenhausener Museumsbetreiber war diese Erkenntnis insofern aufschlussreich, als sie sich seit längerem mit dem Gedanken tragen die "Stelzenberger-Chronik" unter großem Aufwand in digitale Form zu bringen.  

 

Peter Brenninger 

 

Mitteilungsblatt  4 / 2017

Historischer Verein / Geisenhausener Museum:

Bedeutsame Exponate zurück in Geisenhausen

Das Heimatmuseum Vilsbiburg war viele Jahre dankbar für historische Gegenstände aus Geisenhausen, die als Leihgaben die Vilsbiburger Bestände bereicherten und dort gut verwahrt, inventarisiert und repräsentabel ausgestellt wurden. Seit Geisenhausen über ein eigenes Museum verfügt, werden diese Leihgaben nun nach und nach aus Vilsbiburg zurückgeholt.   

Zur Eröffnung des Museums im Frühjahr 2016 wurde bereits ein erstes Kontingent, bestehend aus einer Reihe bedeutsamer Bodenfunde, an Geisenhausen zurückgegeben und in der Sonderausstellung Vom Steinbeil zum Tonvotiv – Geschichte aus Geisenhausens Erde gezeigt. Dazu zählen die bis zu 7.500 Jahre alten Gegenstände aus der Zeit der Linienbandkeramik und die großen Gefäße aus der Münchshöfener Kultur (Eiselsdorf).

Die Rückgabe einer weiteren Gruppe von Exponaten geht auf einen Beschluss der Marktgemeinde vom 13.11.1973 zurück, dem Heimatmuseum Vilsbiburg eine Reihe von Leihgaben auf unbestimmte Zeit zu überlassen. Am 10.1.1974 wurde der Erhalt folgender Leihgaben von Museumsleiter Grasmann und 1. Vors. Billinger bestätigt:                                       

  • ein Messing-Gewichtsatz mit sechs Einsätzen aus dem 18. Jh.                                                 
  • ein Getreide-Messgefäß (200 l) aus dem 19. Jh.                                                                       
  • eine große Eisenkassette mit drei verschließbaren Deckeltüren, vielen Geisenhausenern auch bekannt als sog. "Napoleon-Truhe"                                                                                  
  • 16 große Vortragsstangen aus dem 18. und 19. Jh., die bei Prozessionen mitgetragen wurden. Die Stangen weisen zum Teil kunstvolle barocke Schnitzereien am Kopfende auf und tragen Metallschilder mit Bilddarstellungen bäuerlicher und handwerklicher Geräte und Erzeugnisse.

Die beschriebenen Gegenstände, die teilweise in die geplante Sonderausstellung zum historischen Handwerk in Geisenhausen integriert werden sollen, wurden im September von Mitgliedern des Historischen Vereins und zwei Mitarbeitern des Bauhofs in Vilsbiburg abgeholt und ins hiesige Museum verbracht.

Der Historische Verein bedankt sich bei der Marktgemeinde für die Vorbereitung und fürsorgliche Begleitung der Aktion.